Sensorische Überlastung und ADHS
Ein unsichtbarer Kampf
Sensorische Überlastung ist eines der am meisten übersehenen, aber tiefgreifenden Phänomene bei neurodivergenten Menschen. Besonders häufig tritt sie im Autismusspektrum und bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) auf. Während das Autismusspektrum durch Unterschiede in sozialer Interaktion, Kommunikation und sensorischer Verarbeitung geprägt ist, beschreibt ADHS Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeitssteuerung und der Impulskontrolle, die oft von emotionaler Dysregulation begleitet werden. Die sensorische Wahrnehmung, Empfindsamkeit und Verarbeitung spielen bei beiden eine zentrale Rolle und beeinflussen das tägliche Leben maßgeblich.
Was ist sensorische Überlastung?
Sensorische Überlastung tritt auf, wenn einer oder mehrere Sinne – Sehen, Hören, Tasten, Schmecken oder Riechen – von Reizen überwältigt werden. Während neurotypische Menschen diese Reize oft nur als Hintergrundgeräusche oder subtile Empfindungen wahrnehmen, können sie für eine neurodivergente Person wie ein regelrechter Angriff wirken.
Menschen im Autismusspektrum und mit ADHS haben oft ein besonders sensibles autonomes Nervensystem, das sensorische Reize intensiver verarbeitet und schneller als potenziell bedrohlich einstuft. Dadurch gerät der Körper in Alarmbereitschaft und aktiviert das sympathische Nervensystem – den sogenannten Kampf-oder-Flucht-Modus.
Stell dir vor, du betrittst ein Einkaufszentrum: Die Neonlichter flackern wie Stroboskope, das Summen der Rolltreppen dröhnt wie ein tiefes Erdbeben, und jedes Flüstern, Piepen oder Rascheln trifft dein Gehör so schrill wie eine Sirene. Diese Reizflut ist nicht nur unangenehm – sie kann überwältigend sein.
Auf physiologischer Ebene setzt der Körper Adrenalin und Cortisol frei, was zu Stressreaktionen wie Herzrasen, Hypervigilanz und erhöhter Reizbarkeit führt. Ein Teufelskreis entsteht: Die Aktivierung des Sympathikus verstärkt die Wahrnehmung potenziell bedrohlicher Geräusche und hemmt gleichzeitig die Fähigkeit, sich in sozialen Interaktionen sicher und verbunden zu fühlen. Dadurch wird nicht nur die Reizverarbeitung erschwert, sondern auch das soziale Miteinander belastet.
Warum tritt sensorische Überlastung bei Autismus und ADHS auf?
Autist*innen und ADHS-Betroffene haben oft eine verstärkte oder verminderte sensorische Verarbeitung. Ihr Gehirn filtert unwichtige Reize nicht so heraus, wie es das bei neurotypischen Menschen tut. Während jemand anderes ein entferntes Hundegebell kaum wahrnimmt, kann es für eine autistische oder ADHS-Person eine unerträgliche Ablenkung sein.
Häufige Auslöser für sensorische Überlastung sind:
- Helle oder flackernde Lichter
- Laute oder unvorhersehbare Geräusche
- Unangenehme Stoffe oder Kleidungstexturen
- Starke Gerüche oder unerwartete Geschmäcker
- Überfüllte, chaotische Umgebungen
Die Intensität und Kombination dieser Faktoren können alltägliche Situationen zu einer großen Herausforderung machen.

Die Auswirkungen sensorischer Überlastung
Wenn sensorische Überlastung einsetzt, reagiert der Körper auf eine Weise, die oft missverstanden wird. Manche neurodivergente Menschen ziehen sich zurück und können nicht mehr auf ihre Umgebung reagieren, sie erleben einen Shutdown. Andere durchleben einen Meltdown – eine unkontrollierbare Reaktion auf überwältigende Reize, die fälschlicherweise als Wutanfall interpretiert wird.
Diese Reaktion ist keine bewusste Entscheidung. Sie ist eine physiologische Antwort auf eine überwältigende Umwelt. Dennoch wird von Betroffenen oft erwartet, diese Situationen einfach „auszuhalten“ oder „sich zusammenzureißen“. Die Realität? Diese Erwartung ist nicht nur unrealistisch, sondern auch schädlich.
Wie lässt sich sensorische Überlastung reduzieren?
Wenn du autistisch bist, ADHS hast oder eine neurodivergente Person unterstützt, kannst du durch das Erkennen und Berücksichtigen sensorischer Bedürfnisse viel Lebensqualität gewinnen. Es ist essenziell das persönliche Empfinden der neurodivergenten Person zu respektieren und im Falle von sensorischer Überreizung bei der Lösungssuche zu helfen. Hier sind einige praktische Maßnahmen:
1. Auslöser identifizieren: Führe eine Liste über belastende Umgebungen, Geräusche und Texturen. Bewusstsein über deine eigenen Bedürfnisse ist ein wichtiges Werkzeug, um gut für dich zu sorgen.
2. Geräuschunterdrückende Kopfhörer nutzen: Diese können störende oder belastende Geräusche herausfiltern.
3. Beleuchtung anpassen: Natürliches Licht oder dimmbare Lampen schaffen eine angenehmere Atmosphäre.
4. Bequeme Kleidung tragen: Weiche Stoffe ohne störende Etiketten oder Nähte können sensorische Irritationen reduzieren. Gewöhn dir an, extra bequeme Kleidung oder Alternativen mitzunehmen, sobald du das Haus verlässt.
5. Pausen einlegen: Verlasse überwältigende Situationen, wenn nötig. Sensorisch freundliche Rückzugsorte sind essenziell. Suche im Voraus gezielt nach passenden Rückzugsorten. Mache dir ebenfalls bewusst, dass deine persönlichen Grenzen für bestimmte Reize und der Bedarf an Pausen je nach Tagesform variieren können.
6. Für Anpassungen eintreten: Ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit – das Einfordern sensorischer Rücksichtnahme kann eine große Verbesserung bedeuten.
7. Verbessere deine Interozeption mit Therapie oder Somatic Coaching: Die Interozeption bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen körperlichen Empfindungen wahrzunehmen und zu interpretieren. Durch gezielte Übungen, Achtsamkeit und Körperarbeit wird deine Interozeption gestärkt, was dir hilft, deine persönlichen Signale von sensorischer Überlastung zu erkennen.

Sensorische Sensibilität als Stärke erkennen
Sensorische Unterschiede im Autismusspektrum und bei ADHS sind nicht nur Herausforderungen – sie können auch Stärken sein. Viele neurodivergente Menschen haben eine außergewöhnliche Fähigkeit, Details wahrzunehmen, Geräusche oder Texturen in besonderer Tiefe zu erleben und die Welt auf einzigartige Weise zu erfassen.
Anstatt neurodivergente Menschen dazu zu zwingen, sich an nicht für sie gemachte Umgebungen anzupassen, sollte jeder daran mitwirken Räume und Kulturen zu erschaffen, die wirklich inklusiv sind.
Sensorisch freundliche Räume, flexible Anpassungen und ein besseres Verständnis für sensorische Bedürfnisse kommen nicht nur neurodivergenten Menschen zugute – sie verbessern die Welt für alle.
Das Verstehen sensorischer Überlastung geht über bloße Erleichterung für neurodivergente Menschen hinaus – es geht darum, ihre Erfahrungen anzuerkennen und eine Welt zu schaffen, die sie nicht ständig zum Schweigen bringt.
Wenn dir dieser Artikel geholfen hat, teile ihn mit jemandem, der vom Verständnis sensorischer Überlastung profitieren könnte. Bewusstsein zu schaffen ist der erste Schritt unsere Welt ein Stück besser zu machen.
*Anmerkung: Die Übersetzung ins Englische ist maschinell erstellt und kann Fehler enthalten.
Quellen:
Unmasking Autism, Devon Price PHD
https://www.medicalnewstoday.com/articles/adhd-sensory-overload#sensory-overload
Bildquellen:
Unsplash
Ich bedanke mich bei Lucas Sankey, Linus Belanger & Dmitry Kropachev.